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Der versteckte Reichtum von Seine-Saint-Denis

Schatzsuche im Departement 93

Die Basilika von Saint-Denis, die Flohmärkte von Saint-Ouen, ein dichtes Vereinsleben und eine sehr kreative Stadtkultur… Das Departement Seine-Saint-Denis ist reich an unbekanntem Kulturerbe. Eine geführte Tour mit Wael Sghaier, der 4 Monate lang das Departement durchquert hat.

Eine starke gesellschaftliche Lebendigkeit

Berüchtigt, unbeliebt – das Departement Seine-Saint-Denis? Das Abenteuer von Wael Sghaier wiederlegt die Klischees. 2014 beginnt er eine viermonatige Reise um das Departement zu durchquerten und entdeckt dabei seine versteckten Schätze. In seinem Blog Mon Incroyable 93 (Mein unglaubliches 93) berichtet er von seinem Einsatz und dokumentiert seine Funde. Er unterstreicht die gemeinschaftliche Lebendigkeit des Departements: „Man kreuzt eine Vielzahl an sehr engagierten Vereinen im Rahmen der Animation des lokalen Lebens.“

Er nennt schließlich die Brüder Poussière. Wohnhaft in Aubervilliers in einem Theater der 1930er Jahre arbeiten sie an der Wiederbelebung des Ortes. Sie initiieren in der Stadt viele verschiedene sozio-kulturelle Projekte: Konzerte, Theateraufführungen, Kunstausstellungen, gemeinsame Ateliers … Man findet sie im Herzen eines Kollektivs, das den Geist der Guinguette-Tavernen von Aubervilliers wieder auferstehen lassen, diese Volksfeste waren sehr beliebt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Brüder Poussière sind nicht die einzigen Liebhaber – über die Peripherie hinaus gibt es Bereiche, die von einem ambitiösen kulturellen Willen geprägt sind. In Saint-Ouen, Mains d’Oeuvres gibt es ein altes Industriegebäude, in das in den Jahren 2000 Künstler investiert haben und es in einen Künstlerort verwandelten.

Stadtkultur, klassische Kultur

Klaas Vermaas

Das Departement Seine-Saint-Denis bietet auch eine beeindruckende Anzahl an Festivals. Banlieues Bleues ist ein nicht mehr wegzudenkendes Treffen für Jazzamateure geworden: die Veranstaltung findet jedes Frühjahr im ganzen Departement in Form von Konzerten, „musikalischen Aktionen“ und von künstlerischen Bildungsprojekten statt, die sich an ein

weites Publikum richten.

Die gleiche Art sich durchzusetzen nutzt das Hip Hop Tanz-Festival in mehreren Städten. Ausgelöst durch eine Initiativveranstaltung in Berlin ist Hip Hop Tanz 1999 in seiner Anerkennung in der Stadtkultur im Herzen eines Vorläuferdepartements  angestiegen. Dieses beweist gleicherweise der Ablauf des H2O-Festivals in Aulnay-sous-Bois, welches sich auch dem Hip Hop verschrieben hat oder die Initiative der Gemeinschaft Kunst in der Stadt, die 2014 etwa 50 Repräsentierende der Street Art einlud, die Mauern der Festung von Aubervilliers éphémère für ihre Kunstwerke zu nutzen.

Vom Mittelalter bis zu Science-Fiction

Das Departement Seine-Saint-Denis besitzt ein altes Architekturerbe mehrerer Jahrhunderte. Die Basilika von Saint-Denis steht den Kirchen der Hauptstadt in Nichts nach. Die größten Monarchen der französischen Geschichte sind hier begraben in den  für die gotische Kunst typischen Gebäuden. Seine Grabplatten sind Meisterwerke der Bildhauerkunst.

Der Besuch des Departements bringt noch mehr Überraschungen mit sich. Die Pulverfabrik von Sevran errichtet unter Napoléon III steht heute im Herzen eines Nationalparks von 137 Hektar. An den Ufern des Kanals Ourcq erinnern die großen Mühlen von Pantin an den Beginn des 20. Jahrhunderts, wo das Mehl – mehr als 190 000 Tonnen während der Hochzeit des Unternehmens“ –an den Toren Paris‘ gemahlen wurde.

Zeitgemäßer sind die Gebäudeensemble Abraxas und die Arènes de Picasso in Noisy-le-Grand: dieses große Architekturensemble typisch für die Utopien der „Neuen Städte“ wurde vom spanischen Architekten Rodrigo Bofill während der 1980er Jahre erschaffen. Das Verhältnis der Einwohner zu diesem Ort ist mehrdeutig: es lässt sich dort wirklich nicht gut leben, wie Wael Sghaier betont. Aber als das Rathaus das Projekt angestoßen hatte, einen Teil des Komplexes abzureißen, gab es großen Widerstand.

Das Gebäude aus rosa Ziment im Stil der Postmoderne ist in jedem Fall eine Quelle der Inspiration für Filmkünstler. Es diente 1984 dem Dekor im Kultfilm Brazil von Terry Gilliam. Dreißig Jahre später im Mai 2014 war es die Schauspielerin Jennifer Lawrence, die kam, um dort den letzten Teil der Saga „The Hunger Games“ zu drehen.