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Wenn der Berliner Bär „kikeriki“ ruft

Die Berlinale, die vom 11. bis zum 21. Februar stattfand, stellte eine große Anzahl an französischen Filmen in seinen verschiedenen Kategorien vor.
Nostalgische Vernarrtheit in die Neue Welle oder Anerkennung der Stildiversität des französischen Kinos?

3 französische Filme – ein silberner Bär

Im Bereich der Politik hat das deutsch-französische Paar Hochs und Tiefs. In der Welt der siebten Kunst ist es anders: Das internationale Filmfestival in Berlin, das am 21. Februar zu Ende ging, hat eine bestimmte Vernarrtheit in die französischen Kunstproduktionen enthüllt.

Die offizielle Auswahl umfasste drei französische Filme: André Téchiné und Danis Tanović präsentierten ihre Filme „Man ist nicht ernsthaft, wenn man 17 Jahre alt ist“ („Quand on a 17 ans“) und „Tod in Sarajevo“ („Mo

rt à Sarajevo“). Zudem brachte der Film „Zukunft“ („L’Avenir“) die Regisseurin Mia Hansen-Løve zum Lächeln, die mit 35 Jahren, das erste Mal an dem Wettbewerb teilnahm und sich mit dem Film den silbernen Bären holte.

Von einer Auswahl zur anderen

 

Auch die parallelen Kategorien würdigten den „french touch“ vor allem repräsentiert durch Gérard Depardieu. Der Schauspieler spielte zum einen die Hauptrolle in dem außer Konkurrenz gezeigten Film „Heilige Liebe“ („Saint-Amour“) von Benoît Délépine und Gustave Kervern sowie in „The End“ von Guillaume Nicloux. Als filmische Geste einer krassen Radikalität steht der Schauspieler in letzterem Film während 1 ½ Stunden fast ausschließlich allein vor der Kamera. „The End“ wurde in der Forumsauswahl im Rahmen der unabhängigen Filmproduktionen präsentiert.

Der Erfolg der Suche nach brillanten Nachfolgern scheint gesichert zu sein: die junge Léna Magnien, 13 Jahre, war eine der Entdeckungen des Festivals. Sie erschien auf der Leinwand im Film „Niemals zufrieden“ („Jamais contente“) von Émilie Deleuze im Rahmen der Auswahl „Generation“ und Publikumspreis.

Neue neue Welle?

In einem Interview in Cineuropa begrüßte der Präsident der Berlinale Dieter Kosslick die starke Präsenz Frankreichs, indem er an die Neue Welle („Nouvelle Vague“) erinnerte. Gäbe es eine französische Art und Weise den Privatbereich zu filmen? Das Bildungswerk „Niemals zufrieden“ („Jamais contente“) erinnert an die schlammige Schlinge des Antoine Doinel vor der Kamera im Film „Die 400 Schläge“ (Les Quatre Cent Coups“) von François Truffaut. Mia Hansen-Løve verdeutlicht von ihrer Seite aus ihre Passion für Éric Rohmer: sie hat wie er für die berühmte Zeitschrift „Cahiers du cinéma“ geschrieben, in der seit den 50er Jahren die größten Namen der Neuen Welle („Nouvelle Vague“) bereits ihre Konzeption der siebten Kunst theorisiert haben.

Aber es wäre gekünstelt, die französischen Filme gemeinsam unter dem gleichen ästhetischen Banner zu gruppieren. In „The End“ spielt Gérard Depardieu einen beklemmt und ungeschickt wirkenden Jäger abgeschieden in einem beängstigenden Wald – eine ganz andere Rolle als die des Landwirtes in „Saint-Amour“, der mit seinem Sohn die Weinrouten entdeckt, um eine wiedergefundene Gemeinsamkeit zu genießen.

Der gleiche Schauspieler – aber zwei ganz verschiedene Werke. Das ist schließlich das, was die Auswahl der in Berlin präsentierten französischen Filme verdeutlicht, es ist vor allem die Vielseitigkeit der Stile.