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Andreï Makine – der Unsterbliche

Andreï Makine in die Académie française gewählt

Er wurde in Sibirien geboren und ist nach Frankreich geflohen. Zum Schriftsteller geworden gehört er nun mit 58 Jahren zu den Unsterblichen der Académie française.

Ein unwiderruflicher Sieg

Der französisch-russische Schriftsteller Andreï Makine wurde am 3 März in die Académie française gewählt. Ein Sieg, den er schnell bereits in der ersten Runde mit 15 Stimmen von 26 Abstimmenden davontrug. Sein Konkurrent Arnaud-Aaron Upinsky hat nur zwei Stimmen bekommen. Mit 58 Jahren darf der Autor von „Testament français“ im Sessel Nummer 5 Platz nehmen, der zuvor von Assia Djebar besetzt war, die im Februar 2015 verstarb.

Aus Sibirien in das Land der Aufklärung

Der Werdegang des 1957 in Sibirien geborenen frankophonen Schriftstellers Andreï Makine ist der eines Kulturgrenzgängers. Während seines Studiums an der Philologischen Fakultät der Universität Moskau verfasste er eine Doktorarbeit über die französische Gegenwartsliteratur; er entschloss sich anschließend, Französisch an einem pädagogischen Institut in Novgorod zu unterrichten.
1987 heimlich in Frankreich angekommen auf der Flucht vor der Politik des sowjetischen Regimes, gibt er als Spiegelung Kurse über die russische Stilistik und Literatur an der École Normale Supérieure und an der Sciences Po bevor er ein zweites Doktorat – dieses Mal an der Sorbonne –Ivan Bounine gewidmet beginnt. Wie er, hat der russische Schriftsteller und Poet das Land der Zaren für das Land der Aufklärung verlassen. Andreï Makine erlangte 1996 die französische Staatsbürgerschaft.

Seine Liebe zur französischen Sprache und Literatur kommt von seiner aus Frankreich stammenden Großmutter Charlotte, die ihn in Penza in der Region der Volga großgezogen hat. Mit vier Jahren war Andreï bereits zweisprachig. „Es ist ganz natürlich, dass ich auf Französisch schreibe und das bereits seit meiner Ankunft in Frankreich zu Beginn der 2000er Jahre, erinnert sich der Schriftsteller. Um mich herum war immer alles Französisch, was meine Liebe zur französischen Literatur angeregt hat“.

Eine hart erkämpfte Anerkennung

Trotz allem blieb diese Liebe lange einseitig. Seit seiner Ankunft 1987 in Paris schreibt Andreï Makine, aber er erzielte keine Aufmerksamkeit bei den Herausgebern. „Ich habe alles gemacht, um verlegt zu werden, erklärte er zehn Jahre später, während sein vierter Roman „Le Testament français“ ihn ins Rampenlicht brachte. Ich habe mir alle möglichen Namen gegeben, ich habe mehrere Male die Titel gewechselt, die ersten Seiten, ich habe es immer und immer wieder versucht und meine Texte erneut an die Editionshäuser gesendet“.

Es endete damit, dass er dank einer Mystifikation die Aufmerksamkeit an sich zog: er ließ seine ersten Romanprojekte als Übersetzungen erscheinen. Das Manuskript von „La Fille d’un héros de l’union soviétique“, das er an Robert Laffont versandt, trug die Bezeichnung „übersetzt aus dem Russischen von Albert Lemonnier“, dem Familienname seiner Großmutter. Das Editionshaus akzeptierte und publizierte das Buch 1990. 

 

Russische und französische Erinnerungen

30 Jahre nach seiner Ankunft in Frankreich ist Andreï Makine Autor von circa 20 Werken. 16 wurden unter seinem Namen veröffentlicht, vier unter dem Pseudonym Gabriel Osmond. Viele Werke im Stil des „Testament français“ sprechen Themen wie Exil, Zweisprachigkeit oder Erinnerungskonflikte an: Sein neuester Roman „Le pays du lieutenant Schreiber“ wurde 2014 veröffentlicht. Er verfolgt die Geschichte des französischen Offiziers und Naziregimegegners Jean-Claude Servan-Schreiber, die fast in Vergessenheit geraten war – ein bewegendes Tribut an die anonymen Helden des Zweiten Weltkrieges.