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Städtischer Nahverkehr : der Erfolg französischer Betreiber

Überall auf der Welt breiten sich drei französische Nahverkehrsunternehmen aus: Keolis, Transdev und RATP. Ihr Knowhow verdanken sie der einzigartigen Geschichte Frankreichs in diesem Sektor.

Städtischer Nahverkehr : drei Unternehmen - ein Knowhow

 In Abidjan oder Casablanca in den Bus steigen, in die Tram in Melbourne, den herrschaftlichen Doppeldecker in London oder die U-Bahn in Shanghai – diese Aufzählung à la Prévert scheint geradezu dem Tagebuch eines rastlosen Globetrotters zu entspringen. Doch diese Verkehrsmittel haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint: Sie zeugen alle davon, dass französisches Knowhow international anerkannt wird. In unterschiedlichem Ausmaß an ihrer Entwicklung beteiligt, tauchen immer wieder drei Firmen auf: Keolis, Transdev und RATP Dev, die heute zu den großen Betreibern weltweit im Nahtransport gehören.

Erstere wird zu 70%  durch die SNCF, die staatliche Eisenbahngesellschaft Frankreichs, kontrolliert. Transdev gehört größtenteils der Caisse des dépôts et consignations, einem staatlichen Finanzinstitut, dessen Geschäftsführer durch den Präsidenten der Republik ernannt wird. Zu guter Letzt bleibt noch RATP Dev, welches, wie der Name schon ahnen lässt, ein Tochterunternehmen der RATP-Gruppe, dem historischen Pariser Verkehrsunternehmen, ist.

Neue Märkte erschließen

Zunächst hatte Veolia den Weg geebnet. Die Gruppe bot, neben weiteren Dienstleistungen, traditionell Netzwerkmanagement im Bereich des Nahverkehrs an. Ende der 2000er Jahre hatte  ihre Transportabteilung mehrere große Aufträge im Ausland erhalten, ehe sie 2013 von Transdev übernommen wurde.

Damit war ein Anfang gemacht. Während die SNCF und die RATP bis dahin eine Monopolstellung in Frankreich innehatten, begaben sie sich nun international auf die Suche nach neuen Wachstumsmöglichkeiten. RATP Dev breitete sich nach und nach im Maghreb aus. Nach ersten Projekten in Marokko, konnten sie ihre Expertise in der gesamten Region entwickeln. Das Unternehmen hat die U-Bahn in Algier, die Straßenbahn von Constantine oder auch Casablanca gebaut, teilweise in Zusammenarbeit mit staatlichen Unternehmen vor Ort. Seither liebäugeln die Leiter dieses Tochterunternehmens mit dem Mittleren Osten. Auch China haben sie im Visier, wo bereits Keolis und Transdev aktiv sind.

Eine Expertise, die aus der Geschichte des frtramway_400anzösischen Transportwesens hervorgeht

In einem Artikel der Tageszeitung La Croix sagte Francois-Xavier Perin, dass er die französische Expertise im Transportwesen als Erbe von Jahrzehnten der politischen Auseinandersetzung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Frankreich sieht. Der derzeitige Leiter von Transdev verweist damit auf das „Versement transport“, d.i. die Beteiligung privater und staatlicher Arbeitgeber an der Finanzierung der öffentlichen Verkehrsmittel.  In den 1970er Jahren eingeführt, erlaubt diese Finanzierungsbeteiligung den Betreibern wichtige Investitionen. Die weitreichende Erfahrung, die diese im Umgang mit den Gemeinden haben, erweist sich auch als ein Vorteil,  wenn es um die  Übertragung öffentlicher Dienstleistungen geht. Denn „die französischen Unternehmensgruppen haben gelernt, Verträge auf Maß mit den Gemeinden zu schließen“.